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Warum hat Hugo geschossen?
Irgendwann kann es Hugo nicht mehr mitansehen. Er wird im bürgerlichen Haus seiner Eltern mit den besten Speisen gefüttert, während Menschen vor seinem Fenster kämpfen, demonstrieren und sterben… für ein Stück Brot, für ein wenig Gerechtigkeit.
Hugo schließt sich einer radikalen, revolutionären Organisation an, doch Hugos gehobene Herkunft entpuppt sich nun als Fußfessel: In der Organisation ausgegrenzt darf er lediglich Plakate malen, Flugblätter verfassen und eine Zeitung herausgeben.

Doch Hugo träumt von einer mutigen Tat, die etwas bewirken, die seinem Leben, seiner Existenz einen Sinn geben soll.

Als die Organisation die Ermordung ihres Anführers Hoederer plant, der mit seinen politischen Gegnern, den regierenden bürgerlichen Parteien, kollaborieren will, übernimmt Hugo freiwillig diese Aufgabe. Mit einer Pistole bewaffnet, zieht er mit seiner Frau Jessica als Sekretär in das streng bewachte Versteck Hoederers. Immer wieder lässt er jedoch die Gelegenheit zum Mord verstreichen: Die politische Verantwortung, die Hugo übernommen hat, weicht zunehmend einer privaten, individuellen Wahrnehmung seines ‚Opfers’. Der charismatische Politiker zieht ihn immer mehr in seinen Bann, auch Hugos Frau bleiben dessen Reize nicht verborgen. Eines Nachmittags erwischt Hugo Jessica in den Armen des Mannes, den er töten soll. Hugo schießt.

Sartres Drama stellt die existentialistische Frage nach der Entscheidungsfreiheit: In einer Zeit, der die ideologische Grundlage fehlt – welche Freund zu Freund und Feind zu Feind macht – ist es schwer, sich zu positionieren, einen Platz im Leben zu finden, von dem man agieren und Entscheidungen treffen kann. Ob und wie ein ein Individuum, wissen kann, was „richtig“ ist, ist in Zeiten globaler sozialer und demokratischer Krisen, in Zeiten von Informationsüber(be-)schuss und Identitätskrisen, in Zeiten von Krieg und Terrorismus, schwer. Darf man sich überhaupt oder muss man sich sogar „schmutzige Hände“ machen?

“Es ist komisch frei zu sein, das macht schwindlig.“ – Hugo

Mit:
Aaron Defant – HugoFlorian Federl – Hoederer
Viola Heeß – Olga
Max Schmidt – Louis
Hasan Dere – Iwan
Henry Braun – Karsky, Slick
Manuel Stahl – Wache, George

Regie: Simon Eifeler
Regieassistenz: Emmanuel Losch